Jubiläumstour Furkapass | © Jörg Fegg
Jubiläumstour Furkapass | © Jörg Fegg

Jubiläumsskitourenwoche am Furkapass

14.03.2025

Schitourenwoche zum 150. Sektionsjubiläum

Zum 150. Sektionsjubiläum wollten wir in diesem Jahr etwas feines anbieten. Zusammen mit dem erfahrenen Ramsauer Bergführer Hubert Nagl entschlossen wir uns zunächst, dass Skitouren im Valle Po, einer noch nicht so bekannten Region, genau das richtige wären. Hubert ließ seine Beziehungen spielen und so hatten wir dort schon Quartier gebucht. Aber der nicht nur bei uns schneearme Winter sorgte bei uns Verantwortliche bald für Sorgenfalten. Es hatte dort unten nicht wirklich viel Schnee, so dass wir rechtzeitig die Reißleine zogen und umplanten. 

Aufgrund eines Tipps aus Bergführerkreisen entschlossen wir uns, in die Schweiz an den Furkapass zu fahren. Im Hotel Tiefenbach auf 2100 HM fanden wir auch eine perfekte Unterkunft für unsere Ausflüge. 

Am Sonntag den 23.02.25 ging es um 07.00 Uhr in Berchtesgaden mit zwei VW-Bussen und insgesamt 12 Personen los in Richtung Schweiz. In Realp auf etwas über 1500 HM starteten wir mit dem „Hüttenaufstieg“ zu unserem gut ausgestatteten Hotel. Da es keinen Gepäcktransport gibt, musste jeder sein Material für die Woche selber hochtragen. Gute sparsame Planung und gekonntes Packen waren gefragt. 

Auf dem Berg wurden wir von unseren Gastgebern Madeleine und Hansruedi  Tresch und dem ganzen Team herzlich begrüßt. Nach Kaffee und Kuchen bezogen wir unsere Doppelzimmer. Beim Abendessen legten wir den Plan für den nächsten Tag fest.

Am Montagmorgen, nach einem fulminanten Sonnenaufgang, der leider auf eine Wetterstörung hindeutete, machten wir uns auf, zum Chli (kleinen) Furkahorn, 3026 HM. Auch am Furkapass und in der Schweiz fehlt es massiv an Schnee. Doch Skitouren waren hier oben trotzdem perfekt machbar. 

Nachdem es alle auf den Gipfel geschafft hatten, mussten wir die Abfahrt umplanen, da es nicht, wie gewünscht aufgefirnt hatte. Aber für was sind Bergführer dabei,  wenn sie nicht noch doch irgendwo ein wenig Pulverschnee finden würden. Und so hatten wir bis auf die Furkapassstraße dann doch ganz brauchbare Verhältnisse. Einige gingen anschließend noch die Passstraße hoch bis zum Furkapass und fuhren auf diversen Varianten wieder zurück ins Hotel.

 

Nach einem starken Frühstück und leichtem Nebel der mit der Schlechtwetterfront hereinzog entschlossen wir uns, in Richtung Albert-Heim-Hütte 2480 HM aufzusteigen. Dort stärkten wir uns kurz und da die Sicht nicht ganz schlecht war, zogen wir los in Richtung Tiefengletscher, der bis unter den Tiefenstock führt. Frei nach dem Motto, „Alles kann, nix muss..“ gingen alle in Kleingruppen soweit es sie erfreute. Der Gletscher der nur noch in Resten und ohne nennenswerte Spalten vorhanden ist, konnte gefahrlos begangen und befahren werden. Einige schafften es bis auf 3000 HM und fuhren dann wieder zur Hütte hinab, wo sich wieder alle trafen. Nach einer Stärkung ging es gemeinsam wieder hinunter zu unserer Herberge.

Am Mittwoch war das Wetter wie vorhergesagt noch schlechter, so dass wir endlich einen Tag hatten, an dem wir allgemeine Lawinenkunde, Erste Hilfe und LVS-Suche in Theorie und Praxis durchführen konnten. Nach einem Vortrag im Schulungsraum und der Vorführung der Auslösung eines der neuesten Lawinen-Airbagrucksäcke ging es anschließend hinaus um dort dann einen Reichweitentest mit den LVS-Geräten durchzuführen. An einer Sondenbar, konnte jeder mal versuchen, diverse Gegenstände durch das sondieren zu „ertasten“ und das Gefühl für das Richtige sondieren zu bekommen. 

Auf Skitour ist bei einem Lawinenunfall die Kameradenrettung die einzige und wichtigste Möglichkeit den anderen Beteiligten in der Lawine zu helfen. Deshalb wurde der Umgang und die Suche mit dem LVS-Gerät, als auch das sondieren und ausschaufeln ausgiebig erklärt und geübt. Bei der angebotenen Schulung waren alle mit Feuereifer dabei und krochen auf allen Vieren über die Schneedecke um die gestellten Aufgaben zu lösen. 

Das Wetter beruhigte sich im Laufe des Tages so weit, so dass einige noch ein kleines „Workout“ machen wollten und hinab nach Realp abfuhren und über die Furkapassstraße wieder flott aufstiegen. Das angekündigte Käsefondue am Abend, zog uns magisch wieder hinauf….

Der Donnerstag, an dem ein Teilnehmer Geburtstag hatte, präsentierte sich nach etwas Schneefall fast schon perfekt und nach Rücksprache mit dem Hüttenwirt machten wir uns auf in Richtung der Stotzigen Firsten, 2752 HM. Zunächst fuhren wir 300 HM zum Tiefenbach hinab, um dann den kompletten Aufstieg selber zu Spuren.  Dabei stellten wir erfreut fest,  dass die Abfahrt ein richtiger Genuss werden könnte, was es dann auch wurde. Ein Teil der Gruppe fuhr direkt nach dem Gipfel wieder hinunter, ein anderer Teil überschritt noch einen Teil der Gipfelkette zu Fuß um dann über unberührte Hänge in den Talboden „Unter den stotzigen Firsten“ abzufahren und noch einmal kurz wieder aufzusteigen. Dann konnten auch wir endgültig fast 1000 HM Abfahrtsgenuss in feinstem Schnee und perfekt geneigtem Skigelände erleben. Im Talboden waren alle endlos begeistert ob dieser tollen Skitour und der Abfahrt. Jetzt hieß es nur noch, die 300 HM zum Hotel wieder aufzusteigen. In der Sonne zwar anstrengend, aber mit dem erlebten ließ es sich gut aushalten. 

Im Hotel wurde unser Geburtstagskind aus der Gruppe noch mit einem Geburtstagskuchen, den die Wirtin extra für uns gebacken hatte, überrascht. Der Wirt spendierte uns noch eine Brotzeitplatte, so dass dieser Tag ein rundum gelungener Tag war.

Für unseren letzten Tag, bekamen wir einen wirklich guten Tipp von unserem Hüttenwirt. Durch die Schneefälle hatten sich Top-Bedingungen eingestellt und wir machten uns auf in Richtung der Oberen Bielenlücke auf ca. 3300 HM. Da sich schon andere in Richtung Galenstock aufgemacht hatten, mussten wir nicht alles spuren. Schon allein der Aufstieg über eine 600 HM lange unverspurte Flanke ließ Vorfreude auf eine geniale Abfahrt aufkommen. Nach einer genussvollen Gipfelrast nahmen wir dann die endlose Abfahrt über diesen Hang in Angriff. Da sowas in diesem Winter ja eher Mangelware ist, genoss es jeder umso mehr und stand am Ende mit einem riesigen Grinsen im Gesicht am Fuße des Hanges. 

Im Hotel angekommen, wurden die restlichen Sachen gepackt, der Wirt spendierte noch einen Kuchen, hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Mit dem gesamten Gepäck fuhren wir über die Passstraße hinunter nach Realp, wo wir am Nachmittag mit unseren zwei Bussen die Heimreise antraten.  

 

Die Unterkunft Hotel Tiefenbach am Furkapass ist eine Top-Unterkunft mit äußerst freundlichen „Hüttenwirten“ und Personal. Das Essen als auch die Zimmer ließen keine Wünsche offen. Für uns war es ein idealer Stützpunkt für Skitouren in der Region.

Die schönsten Skitouren dort reichen von knapp 1000 Hm bis fast unendlich. Zum Teil sind auch Alpine Skihochtouren bis auf 3600 HM mit leichten Klettereinlagen und lange Überschreitungen in mächtigen Karen möglich. Die Schwierigkeiten sind eher im mittleren bis schwierigen Bereich, da es sich oft um steile Anstiege handelt.

Die Albert-Heim-Hütte, die für Skitourengeher in der Saison geöffnet hat, hat ebenso sehr nette Wirtsleute und ist eine heimelige Hütte. 

Leider verletzte sich eine unserer Teilnehmerinnen bei einem Sturz am Knie, so dass sie an den letzten Touren nicht mehr teilnehmen konnte, aber Gott sei Dank noch selber ins Tal abfuhr. Trotz der Verletzung der Teilnehmerin ziehen der Hubert und ich als verantwortliche Bergführer ein äußerst erfreuliches Fazit dieser Woche. Es war für uns beide eine neue und positive Erfahrung in einer zumindest im Winter unbekannten Region. 

Die Stimmung in der Gruppe war grundwegs positiv und ausgelassen. So wie es eben für einen Skitourenausflug sein soll. Die einhellige Meinung aller am Ende war, dass es eine gelungene Woche war. 

Jörg Fegg